Die Bahn ist umweltfreundlich – und doch hinterlässt sie einen Fussabdruck. Welche Rolle dabei der Bau von Bahninfrastruktur spielt, ist bisher noch wenig erfasst. Für den Bund hat INFRAS eine Umweltbilanz erstellt und die Treibhausgasemissionen und Umweltauswirkungen festgehalten, die beim Bau anfallen.

Wurden die Umweltauswirkungen von Bahninfrastrukturprojekte bewertet, stand bisher vor allem der Bahnbetrieb im Fokus. Die Emissionen, die beim Bau von Bahninfrastruktur entstehen, wurden bisher nur rudimentär abgebildet oder die Daten dazu stammten aus veralteten Studien.
Eine Studie von INFRAS und Carbotech AG für das Bundesamt für Verkehr (BAV) schliesst hier mit einer Umweltbilanz der Herstellung und des Baus von Bahninfrastruktur eine Lücke. Wie relevant diese Umweltauswirkungen sind, zeigen die Resultate: Der Bau einer doppelspurigen Bahnstrecke verursacht rund 4’000 Tonnen CO2 pro Kilometer. Über die Lebensdauer bedeutet dies etwa 56 Tonnen pro Kilometer und Jahr. Das ist vergleichbar mit den jährlichen Pro-Kopf-Emissionen von vier Personen in der Schweiz.
Ökobilanzierung erlaubt auch Blick in die Zukunft
Inventare von unterschiedlichen Infrastrukturelementen wurden erstellt und dienen als Grundlage der Ökobilanzierung. So wurden die Umweltauswirkungen z.B. für offene Bahnstrecken, Bahnstrecken in Tunnels oder Brücken sowie für drei konkrete Ausbauprojekte die Treibhausgasemissionen berechnet. Die Ökobilanzierung berücksichtigt dabei Werte sowohl für das Jahr 2023 als auch Prognosen für 2050. Die Prognosen gehen dabei von einer deutlich tieferen Klima- und Umweltbelastung in Zukunft aus – unter Annahme, dass die Energieproduktion dann umfassend dekarbonisiert ist.
Potenziale und Handlungsspielräume sind da
INFRAS untersuchte in der Studie auch Reduktionspotenziale beim Bau von Bahninfrastruktur. So zeigt sich, dass durch den Einsatz von Sekundärrohstoffen, erneuerbaren Energien und CO2-Speichertechnologien Emissionen reduziert werden können. Auch eine sorgfältige Wahl des Anlagentyps ist relevant: Gerade frühe Projektphasen bieten Handlungsspielraum für Emissionsreduktionen, wenn die Reduktionspotenziale bei Variantenvergleichen berücksichtigt werden. In späteren Phasen sind Massnahmen zur Lösung des Zielkonfliktes zwischen Wirtschaftlichkeit und Emissionsminderung relevant.
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